Schluss mit Schweigen – Google-Kampagne bringt Presse zum Reden

Samantha Engelmann —  29. November 2012 — Kommentiere

Seit kurzem überrollt eine Welle mit Meldungen zum geplanten Leistungsschutzrecht das Internet. Auslöser dafür ist die angelaufene Kampagne “Verteidige Dein Netz – Finde weiterhin, was du suchst” von Google, denn heute soll im Bundestag darüber beraten werden, ob Verlagen gegenüber Suchmaschinen und anderen Diensten das Recht eingeräumt wird, Suchergebnisse für Presseartikel von einer Steuer bzw. Gebühr abhängig zu machen.

Kurz vor knapp versucht Google mit seiner Kampagne nun die öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen und Einfluss auf die Politik auszuüben. Mit Argumenten gegen ein Leistungsschutzrecht, einem Video, das die Folgen für die Google-Suche darstellt, einer “Finde Deinen Bundestagsabgeordneten-App” und der Möglichkeit, sich für einen Newsletter einzutragen, um auf dem Laufenden zu bleiben, sollen Internetnutzer gegen ein Leistungsschutzrecht mobilisiert werden. Das Video erreichte auf YouTube innerhalb von zwei Tagen über 100.000 Klicks.

Klar ist, dass die Debatte um das umstrittene Leistungsschutzrecht nicht erst seit gestern besteht. Jedoch schien das Thema, gemessen an der medialen Präsenz, von den Medien in den vergangenen Wochen “totgeschwiegen” worden zu sein. Google hat mit seiner Kampagne die Debatte beeinflusst und wieder neu belebt. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Medien deutlich wider.

Medienpräsenz des Leistungsschutzrechts in dt. Onlinemedien

Medienpräsenz des Leistungsschutzrechts in dt. Onlinemedien

Zahlreiche Leitmedien reagieren empört auf die Kampagne und beziehen Gegenpositionen. So wird in einem Beitrag auf SPIEGEL ONLINE die Kampagne als beispiellos bezeichnet. Man wirft Google vor, dass der Konzern vor allem eigene wirtschaftliche Interessen verfolge und seine Macht ausnutzen wolle. Auch Heribert Prantl bezieht für die Süddeutsche Zeitung schon im Titel seines Kommentars eindeutig Stellung und stellt die Kampagne in einen Zusammenhang mit irreführender Werbung.

Andere Medien hingegen berichten neutral und verbreiten lediglich die Meldung, dass Google eine Aktion gegen das Leistungsschutzrecht gestartet hat. Auf Twitter wurde die Meldung ebenfalls zahlreich über Tweets und Retweets verbreitet, nur vereinzelt sind kurze Diskussionen wiederzufinden.

Beispiell: Diskussion über Google-Kampagne auf Twitter

Diskussion zur Google-Kampagne auf Twitter

Insgesamt konnte blueReport über den Suchbegriff “Verteidige Dein Netz” über 1400 Tweets registrieren. Allein 900 Tweets wurden mit dem #deinnetz erfasst. Weitere 700 Treffer enthielten den Begriff “Google” im Zusammenhang mit “Kampagne” oder “Leistungsschutzrecht (LSR).

Damit hat es Google in jeder Hinsicht geschafft, die Debatte über das Leistungsschutzrecht aus dem Fachdiskurs der Blogs herauszuholen, in den Medien neu zu entfachen und über die Verbreitung in den Social Media Aufmerksamkeit in den Köpfen der Internetnutzer zu erzeugen. Ob das reicht, die politische Debatte neu zu beleben, sehen wir dann.

Samantha Engelmann

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