Archive für Social Web

Am 1. August 2013 tritt das Leistungsschutzrecht, oder juristisch genauer das “Achte Gesetz zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes”, in Kraft. Seit dem 14. Mai kann man dies so im Bundesgesetzblatt* nachlesen. Wie weit die Darstellung von Treffern bei Google und Anbietern für Media Monitoring davon betroffen sein wird, ist weiterhin offen.

Unterschrieben hat Bundespräsident Joachim Gauck das Gesetz bereits am 7.Mai. Berichte in den Onlinemedien, für die das Gesetz gemacht wurde, gab es dazu nahezu keine. Verbreitet wurde die Meldung allerdings über Twitter, wenn auch zunächst mit einem falschen Datum für das Inkrafttreten.
Noch ist nicht viel geklärt
Das ausschließliche Recht, Presseerzeugnisse zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, liegt bei den Erzeugern des Presseerzeugnisses, also den Verlegern. Ausgenommen sind kleinste Textausschnitte. Wie lang diese Ausschnitte und damit auch Snippets sein dürfen, regelt das Gesetz weiterhin nicht.

Auf die parlamentarische Anfrage von Lars Klingbeil (MdB, SPD), ob die “ca. 4-zeiligen Snippets, die beispielsweise bei Google-News angezeigt werden und die Google in seinen Ergebnislisten verwendet, nach Auffassung der Bundesregierung zu den „kleinsten Textausschnitten” zählen, antwortete die Bundesregierung, dass Suchmaschinen und Aggregatoren weiterhin die Möglichkeit haben müssen, auf Suchergebnisse zu verlinken und diese auch zu beschreiben. Die Frage nach dem Umfang dieser Snippets solle auf der Grundlage des Gesetzes geregelt werden. Allerdings verweist die Bundesregierung in ihrer Antwort auf ein Urteil des BGH zu Vorschaubildern bei Google.

Jonas Kahl führt auf der Seite von Telemedicus an, dass es in dem Urteil heisst: “Ein Berechtigter, der Texte oder Bilder im Internet ohne Einschränkungen frei zugänglich macht, muss mit den nach den Umständen üblichen Nutzungshandlungen rechnen“. Die Anzeige des Snippets unter einen Suchtreffer sei seit Jahren Standard. Dieser Interpretation nach würde die Anzeige von Suchergebnissen nicht unter das Leistungsschutzrecht fallen. Dies deckt sich mit den Aussagen von FDP-Netzpolitiker Manuel Höferlin. Auf der Website der FDP-Fraktion hieß es zum letzten Entwurf und schließlich auch angenommenen Gesetz: “Die Textausschnitte, die Suchmaschinen in ihren Ergebnislisten anzeigen, fallen künftig nicht mehr unter das Gesetz. Eine konkrete Textlänge, die lizenzfrei von Suchmaschinen und Nachrichten-Aggregatoren angezeigt werden darf, steht allerdings noch nicht fest.”

Auch Google Deutschland selbst geht davon aus, dass die Anzeige der Suchergebnisse wie bisher möglich ist und nicht beeinträchtigt wird. Die ersten Rechtsstreits zu diesem Thema werden dann eine endgültige Klärung bringen.

Der Weg in den Koalitionsvertrag
Das Leistungsschutzrecht blickt mittlerweile auf eine über vier Jahre angehende Diskussionskarriere zurück. Vor dem Oktober 2009, als das Leistungsschutzrecht Einzug in den schwarz-gelben Koalitionsvertrag hielt, war das Thema wenigen bekannt. Den Weg der gesamten Debatte hat sich Christopher Buschow von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover genauer angeschaut und seine Ergebnisse u.a. auf der re:publica 2013 vorgestellt.

Buschow - Übersicht zentrale Srategien LSR

Als zentral beschreibt er vor allem die “Türoffner-Phase” bis zum Herbst 2009. Im Frühjahr 2009 thematisierte Mathias Döpfner vom Axel Springer Verlag das Leistungsschutzrecht in einem Spiegel-Interview erstmals öffentlich und prägte das Schlagwort. Es folgten eine Reihe nicht-öffentlicher politischer Maßnahmen von Verlegerseite, über die man sehr wenig weiß, und öffentliche Appelle der Verleger an die Politik bzw. den Gesetzgeber, wie zum Beispiel die Erklärung Hamburger Verlage im Juni 2009. Andere Erklärungen und die Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten folgten schnell. In der Phase vor dem Koalitionsvertrag gab es noch keine Gegenwehr aus der Blogosphäre, aus der später die schärfsten Kritiker des Gesetzes kamen.

Mediale Präsenz 2012
Anfang März 2012 verständigte sich die Koalition auf die Änderung des Urheberrechts und damit auf die Einführung des Leistungsschutzrechts. Mit blueReport haben wir einen Blick auf die Medienpräsenz geworfen.
LSR Onlinemedien

rp13

Sind Blogs qualitativ vergleichbare Alternativen zu klassischen Online-Medien? Kann man vom Bloggen leben? Auf der re:publica (rp13) wurde dies in verschiedenen Sessions mit Blog-Schwerpunkt diskutiert. Die Gespräche sowie Präsentationen der Referenten zeigen, dass sich die Szene zunehmend professionalisiert und es immer mehr Blogger gibt, die mit Ihren Posts auch Geld verdienen können.

Leidenschaft bis zur Professionalisierung

Die Blogger-Runde zur rp13-Session „Sportblogs und Sportjournalismus – Von investigativen Journalismus aus der Nische“ zeigt, dass die Begeisterung für einen Sport über den Rand der Professionalität hinaus gehen und zu einem zweiten Fulltime-Job werden kann. Dahinter steckt in der Regel viel Wille, Leidenschaft und Energie, denn über Sportereignisse zu berichten kostet Zeit und vor allem auch Geld. Sebastian Fiebrig (bloggt über Fussball) berichtet, wie schwierig es für Blogger ist, sich als Pressevertreter akkreditieren zu lassen, geschweige denn O-Töne aus den Interviews später dann auch für den Blog verwenden zu dürfen.

Teuer wird es dann vor allem bei kostenintensiven Sportarten wie zum Beispiel dem Motorsport. Die Teilnahme an allen Rennen ist gar nicht finanzierbar, sagt Don Dahlmann. Eine Formel 1 Saison würde den Blogger mit Anreise und Unterkunft ca. 35 000 EUR kosten. Exklusive Informationen bekommt man dann aus einem guten persönlichen Netzwerk. Der Aufbau eines solchen dauert Jahre.

Blogs als Alternative zu klassischen Medien

Online-Medien können sich selten eine exklusive Nischen-Zielgruppe leisten. Freunde des Lacrosse, des Fallschirmspringens oder des Ultimate Frisbees finden die für sie spannenden Informationen vielleicht eher in der Blogossphäre.

Ob Finanzblogs die häufig komplizierte und nicht für jeden verständliche Sprache des deutschen Wirtschaftjournalismus ausgleichen können oder sogar sollten wurde in der Session „Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?“ diskutiert.

Finanzblogs haben wie viele andere Themenblogs eher ein Fachpublikum als Zielgruppe. Richtige Aufklärungsarbeit kann in diesem kaum geleistet werden bzw. würde die Leser nicht zuletzt auch langweilen. Thomas Knüwer sieht für die Zukunft Potential bei den Banken selbst. Auch diese werden, angesichts der Debatte über Content Marketing, Corporate Blogs oder Sponsored Blogs, bzw. die damit verbundene Möglichkeit über Finanzprodukte aufzuklären, entdecken. Die Frage nach der Unabhängigkeit wird in diesen Fällen schwierig. Aber auch die Qualität unabhängiger Blogs ist nicht immer einfach einzuordnen oder zu erkennen.

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presse_logos-07Heute startet die 7. re:publica, die größte Konferenz in Deutschland über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft, in Berlin.

Die wohl meist bemühte Floskel zur re:publica ist der Begriff des “Klassentreffens” der deutschsprachigen Blogger-Szene. Mit mittlerweile 5000 Teilnehmern, 450 Speakern und insgesamt 263 Vorträgen und Workshops an drei Tagen ist die Klasse ziemlich groß geworden – längst trifft sich nicht mehr nur eine kleine eingeschworene Gruppe an Bloggern. Wie das Social Web, mit allen Facetten und Graden der Professionalisierung, hat auch das Publikum der re:publica an Bandbreite gewonnen. Für immer mehr Kommunikationsprofis aus Organisationen, Unternehmen und Verlagen wird die re: publica zur Pflichtveranstaltung. Für viele jene im Jahr, auf die man sich am meisten freut. 

Die re:publica 13 ist gewohnt politisch, schafft bewusst aber keinen Raum für Wahlkämpfer, wie Veranstalter Markus Beckedahl der Märkischen Allgemeinen sagte. Nicht zu kurz kommen wird das Thema “Netzneutralität”, das durch die jüngsten Tarifänderungen der Telekom an Aktualität gewonnen hat.

Neu im diesem Jahr ist ein Start-up Area, in dem junge Gründer ihre Geschäftsideen vorstellen können. Die Session-Kategorie “Media” verspricht sehr spannende Diskussionen zu den Themen Medienwandel und Verschmelzung von Medienkategorien.

So stellt z.B. das ZDF sein gemeinsames Fakten-Check-Projekt mit Wikimedia am 6. Mai von 16.- 17.00 Uhr vor. Während des Wahlkampfes sollen crowdgesourct Politiker-Aussagen überprüft werden. Christopher Buschow rekonstruiert am 8. Mai von 13.45 -14.15 Uhr die Themenkarriere des Leistungsschutzrechts und Lothar Müller, Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, macht sich am gleichen Tag von 13.00 -13.30 Uhr Gedanken zur Zukunft der Zeitung und zur Medientheorie des Papiers. Neben zahlreichen anderen Vorträgen versprechen die Beiträge zu Sportblogs und Sportjournalismus, investigativem Bloggen und der Frage, ob YouTube die Stars von morgen macht, spannende Informationen und viel Input.

Für alle, die nicht in Berlin vor Ort sein können, hier noch zwei Hinweise:

Die Vorträge auf der Hauptbühne werden auch dieses Jahr wieder von Spiegel Online gestreamt und auch auf der Website der re:publica gezeigt.

www.spiegel.de

www.re-publica.de 

Wir von blueReport stellen zudem einen RSS-Feed zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.  Mit diesem kann man ganz einfach alle Blogposts und Artikel in den Onlinemedien abonnieren.

 

Michael Ehlers präsentiert sein neues Buch Social Media haben unsere Kommunikation nachhaltig verändert, nicht nur die private, sondern vor allem auch die professionelle. Michael Ehlers, einer der bekanntesten Kommunikationsexperten im deutschsprachigen Raum, spricht von einer Revolution, die aber nicht überall angekommen sei. In seinem neuen Buch “Kommunikationsrevolution Social Media”, das in wenigen Tagen erscheint, stellt er Funktionen und Werkzeuge des Webs 2.0 vor und gibt einen Überblick zu Chancen sowie Risiken der Sozialen Medien. Wir haben uns mit ihm über sein Buch, Facebook-Skepsis und die neusten Trends im Social Web unterhalten.

blueReport: Am 19. April erscheint Ihr neues Buch „Kommunikationsrevolution Social Media“. Wie hat das Social Web unsere Kommunikation verändert?

Michael Ehlers: Das Social Web hat sowohl unser Informations-, als auch unser Kommunikationsverhalten revolutioniert. Dabei haben wir die größte Revolution bereits hinter uns, denn Social Media ist mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Alltags. Die Welt ist vernetzt und das Schöne daran ist – jeder kann mitmachen. Denn im Social Web kann jeder sowohl Konsument als auch Produzent von Inhalten sein. Das revolutioniert insbesondere die Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden. Informationen werden nicht mehr nur in eine Richtung weitergegeben, sondern der Kunde hat die Möglichkeit, sofort Feedback zu geben und in direkten Kontakt mit Unternehmen zu treten. Dadurch schafft das Social Web eine Annäherung zwischen Menschen, Marken, Dienstleistungen und Produkten. Social Media erleichtern damit sowohl die zwischenmenschliche Kommunikation als auch die Unternehmenskommunikation und machen sie direkter, offener und uns produktiver.

An wen wendet sich ihr Buch?

Mein Buch wendet sich im Grunde an jeden, der sich umfassend über Social Media und den richtigen Umgang damit informieren möchte, um darüber erfolgreich, effektiv und sicher kommunizieren zu können. Im Kern stehen Unternehmer/innen vom Freiberufler, Händler bis zum Mittelständler oder Manager, die ihre Produkte und Dienstleistungen im Netz richtig positionieren wollen. Aber auch Eltern, die einfach wissen wollen was in diesen Netzwerken Ihrer Kinder so passiert, werden aus dem Buch wichtige Erkenntnisse mitnehmen können.

Bei wem ist der mediale Wandel weniger angekommen: bei Privatpersonen oder in der Unternehmenskommunikation?

Weniger angekommen sind die Sozialen Medien bei Unternehmen. Betrachtet man die Sozialen Netzwerke, wird erkenntlich, dass Milliarden Menschen diese nutzen, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben und soziale Beziehungen zu pflegen. Viele Unternehmen haben den Trend Social Media erkannt und nutzen ihn bereits für ihre Kommunikation. Aber noch immer gibt es zahlreiche Unternehmen, insbesondere im Handel, die sich gegen Social Media wehren und auch in Zukunft werden viele davon sich nicht aktiv daran beteiligen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass insbesondere Unternehmen, die im Endkunden- und B2B Bereich tätig sind, sich nicht vor dem Social Web verschließen dürfen, um keinen Schaden dadurch zu erleiden und besonders die großen Chancen für sich zu nutzen!

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