Archive für Facebook

2015 Der Jahreswechsel bringt traditionell den ein oder anderen Jahresrückblick und entsprechende Prognosen für das kommende Jahr mit sich. Davor macht selbstverständlich auch die Kommunikationsbranche nicht halt – im Gegenteil. Gerade der Katalysator des Medienwandels, das Social Web, wirft jedes Jahr wieder die Frage nach den neuesten Trends und entscheidenden Entwicklungen auf. Aber wie neu sind die Trends und was bedeuten sie eigentlich für PR- und Marketingprofis?

Die wichtigsten Entwicklungen 2015

Wir haben einen Blick auf die Prognosen in zahlreichen deutsch- und englischsprachigen Medien und der Blogosphäre geworfen. Herausragend werden diesen zufolge vier Entwicklungen sein, die ohne Frage Einfluss auf unsere Arbeit haben werden.

1. Die mobile Nutzung nimmt stetig zu

Für Jeff Bullas, Internet Marketing Experte aus Australien, ist es ganz oben auf der Liste der Social Media Trends 2015: Das mobile Netz ist nicht mehr aufzuhalten. Es gelte nicht mehr “online”, sondern “mobile” first. Entsprechend angepasst müssten die Inhalte sein – grafisch und inhaltlich. Auch für Forbes gehört dies zu den wichtigsten Veränderungen des noch jungen Jahres.

2. Reichweite wird teuer

Das österreichische Portal “fisch + fleisch” bringt es auf den Punkt: “Ohne Geld geht 2015 nichts mehr.” Das gilt vor allem für Reichweiten bei Facebook. Kampagnen werden immer mehr über Ads gesteuert, die zwar teurer werden, dafür aber auch ihre Zielgruppe immer genauer erreichen.

3. Videoinhalte werden immer beliebter

Bereits 2014 waren Bilder, Gifs und kurze Videos das Mittel der Wahl für virales Storytelling. Bewegtbilder werden auch in diesem Jahr nicht mehr aus der Kommunikation wegzudenken sein (siehe dazu auch den aktuellen Beitrag von Nicolas Scheidtweiler) und Portale wie Instagram weiter an Relevanz gewinnen. Gleichzeitig wird Bloggen aber auch zum “Marketing-Mainstream”, meint der Blogger Ritchie Pettauer. Texte, Videos, Gifs etc. ergänzen sich hier gegenseitig.

4. Unternehmen werden mehr Ressourcen ins Social Web investieren

Social Media braucht gute Geschichten bzw. guten Content. Unternehmen sind gerade dabei das Potenzial von Videos neu zu entdecken oder eigene Formate zu entwickeln (siehe Experteninterviews auf Geistreich 78). Kostenfrei wird diese Professionalisierung allerdings nicht sein. Um Aufmerksamkeit über Soziale Netzwerke zu erlangen, werden Unternehmen deutlich mehr Ressourcen und Expertenwissen in die Hand nehmen müssen.

Spürbare Konsequenzen im Arbeitsalltag

Alles nicht so richtig neu? Vielleicht. Allerdings wird 2015 deutlich werden, dass Social Media nicht mehr nebenbei und ohne Aufwendung von zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen geht. Der schnelle Facebook-Post zwischendurch wird zunehmend wertlos werden und die Erstellung von Videoinhalten und Grafiken wird technisch immer größere und neue technische Anforderungen an Profi-Kommunikatoren stellen (so beschreibt es auch der Präsident der Berner Public Relations Gesellschaft (BPRG) Cla Martin Caflisch in unserem “5 Fragen an…”-Interview). Ziel muss es 2015 sein, neue Wege in der Markenkommunikation zu finden und vielleicht auch neue Plattformen für sich zu entdecken. Nicht für jedes Unternehmen ist oder bleibt Facebook der kostengünstige Königsweg. Dazu gehört ohne Frage auch ein professionelles Social Media Monitoring und der effiziente Einsatz der gewonnenen Informationen. 2015 wird das Jahr, in dem wir uns vor der Frage, was unsere Zielgruppe wirklich interessiert, nicht mehr drücken können.

Neue Soziale Netzwerke haben es nicht einfach. Das erfährt auch das aktuell breit diskutierte Projekt Ello. Die mediale Resonanz war beachtlich, nimmt aber schon wieder deutlich ab. Ergeht es Ello wie den bereits fast vergessenen Facebook-Alternativen „Amen“ und „Diaspora“?

Ello als Alternative zu Facebook?

Facebook steht seit Jahren in der Kritik. Nutzer bemängeln immer wieder undurchsichtige Privatsphäre-Einstellungen und die umstrittene Haltung des Konzerns zum Thema Datenschutz. Es scheint allerdings, als ob die andauernde Kritik Facebook nicht substantiell schadet. Ello besetzt mit seinem Geschäftsansatz die Schwachstellen von Facebook und wurde dafür in den vergangenen Wochen als die Facebook-Alternative platziert.

Spannende Berichte zur Usability von Ello finden Sie u.a. hier:
Ello, der neue Facebook-Konkurrent? (Artikel via Stuttgarter-Zeitung.de)
Hello, ello, turn your social media on! (Artikel via PR-Stunt.de)
Ello in den deutschsprachigen Online-Medien (blau) und Blogs (schwarz) im zeitlichen Verlauf vom 1.8.2014 bis zum 30.10.2014.

Ello in den deutschsprachigen Online-Medien (blau) und Blogs (schwarz) im zeitlichen Verlauf vom 1.8.2014 bis zum 30.10.2014.

Seit Kurzem firmiert das Unternehmen zudem als gemeinnützige Organisation und verpflichtet sich damit auch zum Verzicht auf den Verkauf von Daten und Werbung – für immer. Medial erfährt Ello für diesen Schritt und diese Positionierung entsprechende Resonanz.

Ello "Manifest"

Ello “Manifest”

Ello besetzt Schwachstellen von Facebook

Alle Treffer zum Suchwort Ello (blau) im Vergleich zu Treffern mit gleichzeitiger Nennung der Suchwörter „Facebook „ (schwarz), „Werbung*“ (rot), „Datenschutz“* (grün) und „Privatsphäre* (orange). Mehrfachnennung möglich.

Alle Treffer zum Suchwort Ello (blau) im Vergleich zu Treffern mit gleichzeitiger Nennung der Suchwörter „Facebook „ (schwarz), „Werbung*“ (rot), „Datenschutz“* (grün) und „Privatsphäre* (orange). Mehrfachnennung möglich.

Mit blueReport haben wir uns alle Treffer (blau in den Grafiken) aus dem Oktober 2014 in deutschsprachigen Online-Medien und Blogs angeschaut. Bei vielen Beiträgen handelt es sich natürlich um erste Erfahrungs- und Usability-Berichte. Es fällt zudem auf, dass fast jeder Artikel gleichzeitig Facebook nennt. Die mediale Positionierung als Facebook-Alternative ist mehr als deutlich. Gleichzeitig thematisieren gut 40% der Beiträge die Frage nach Werbung im Netzwerk (wörtliche Nennung des Suchbegriffes „Werbung*“(schwarz) ) und insgesamt ca. 37 % der Treffer „Datenschutz*“ (grün), „Privatsphäre*“ (orange) oder das Recht sich mit einem „Pseudonym*“ (lila) anmelden zu dürfen. Dazu kommen Debatten um die erlaubte Freizügigkeit der Nutzer auf ihren Profilbildern.

Alle Treffer im Oktober 2014 zum Suchwort Ello (blau) im Vergleich zu Treffern mit gleichzeitiger Nennung der Suchwörter „Facebook „ (schwarz), „Werbung*“ (rot), „Datenschutz“* (grün) und „Privatsphäre* (orange). Mehrfachnennung möglich

Alle Treffer im Oktober 2014 zum Suchwort Ello (blau) im Vergleich zu Treffern mit gleichzeitiger Nennung der Suchwörter „Facebook „ (schwarz), „Werbung*“ (rot), „Datenschutz“* (grün) und „Privatsphäre* (orange). Mehrfachnennungen möglich.

The Winner takes it all?

Soziale Netzwerke funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Alle wollen da hin, wo auch ihre Freunde bzw. Geschäftspartner sind. Neue Netzwerke müssen eine kritische Masse an Nutzern verzeichnen, die den jeweiligen Dienst attraktiv genug für immer weitere Personen machen. Umgekehrt kann eine Abwanderungsbewegung aus Unzufriedenheit bei einem bis dahin erfolgreichen Dienst nach dieser Logik eine Eigendynamik entwickeln, die zur Verwaisung führt. Bei anhaltender Kritik an Facebook ist es natürlich möglich, dass ein anderes, neues Soziales Netzwerk über die mediale Präsenz hinaus an Relevanz gewinnt. Ob Ello dieses Netzwerk ist und ob dieser Zeitpunkt jetzt erreicht ist, scheint doch zumindest fraglich.

Nichtsdestotrotz können Debatten, wie die aktuelle um Ello, Facebook unter Druck setzen und somit Einfluss auf den Global Player haben. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der Klarnamenszwang bei Facebook. Zwar haben die meisten Nutzer kein Problem mit ihren Phantasienamen oder Abwandlungen des tatsächlichen Namens, das Unternehmen hat jedoch das Recht, einen Account aufgrund dieser Tatsache zu sperren. In den USA hatte Facebook bekannten Travestiekünstlern eine Sperrung angedroht – ist nun aber zurückgerudert. In einer Petition hatten über 22.000 Unterstützer das Recht auf den Künstlernamen als offiziellen Profilnamen gefordert.

Das Entgegenkommen von Facebook wird von Beobachtern mit der Abwanderung zahlreicher User aus der schwul-lesbischen Community zu Ello erklärt.

Gute Bewertungen / großOb beim Kauf eines neuen Kühlschranks, bei der Urlaubsplanung oder bei der Wahl des passenden Krankenhauses – wir fragen nicht mehr nur Familie und Freunde nach Ihrer Meinung, sondern eine große Masse an Menschen in unterschiedlichen Sozialen Netzwerken und Foren. Gerade auch für das Gesundheitswesen wird das Social Web und damit auch die Frage nach einem passenden Media Monitoring immer wichtiger.

Wichtige Bedeutung der Bewertungsportale

In Bewertungsportalen wie Klinikbewertungen.de, Jameda.de und Sanego.de finden sich sehr umfangreiche und detaillierte Erfahrungsberichte zu Praxen und Kliniken. Viele Ärzte fordern ihre Patienten mittlerweile aktiv auf, dort Bewertungen zu hinterlassen. Gerade Ärzte nutzen auf Jameda.de die Möglichkeit, ein eigenes Profil zu hinterlegen. Informationen zu Ausbildung, Weiterbildung und Leistungsumfang stehen so gemeinsam mit den Bewertungen der Patienten zur Verfügung.

Wie andere Branchen auch werden Krankenhäuser, Ärzte und andere Einrichtungen durch die Kommunikation im Social Web transparenter. Davon profitieren allerdings nicht nur die Patienten. Mit einer guten und offenen Kommunikation können Praxen und Kliniken einen größeren Kreis an neuen Patienten erreichen. Zufriedene Patienten werden zu unbezahlbarer Werbung.

Bewertungsfunktion und Fanpages auf Facebook

Auch die Bewertungen und Rezensionen auf Facebook haben für Gesundheitseinrichtungen jüngst an Bedeutung gewonnen. Seit November 2013 steht auch in der Desktop-Version von Facebook eine Bewertungsfunktion für Unternehmensseiten prominent platziert zur Verfügung. Rezensionen können in Form eines 5-Sterne-Systems oder als kurzer Erfahrungsbericht abgegeben werden. Seitenbetreiber können einzelne Bewertungen dabei nicht löschen oder bearbeiten.
Bewertungen Facebook
Einige Krankenhäuser und andere Einrichtungen betreiben aktiv eine eigene Fanpage. Der Dialog mit Patienten und Angehörigen steht dabei selten im Mittelpunkt. Es finden sich dafür vermehrt Hinweise auf Veranstaltungen wie einen „Tag der offenen Tür“ oder Blutspende-Aktionstage.

Das Fehlen einer eigenen Präsenz kann wiederum problematisch werden, da Facebook basierend auf den Interessen und Angaben der Nutzer automatisch Seiten generiert. Während Bewertungen und Kritik trotzdem auf der Seite platziert werden, fehlt es dann an der Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren und in den Dialog zu treten.

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Seit ein paar Tagen steht US-amerikanischen Nutzern (und Nutzern der US-amerikanischen Sprachversion) die neueste Facebook-Funktion Graph Search zur Verfügung. In Kürze soll diese erweiterte Suche auch Nutzern aus anderen Ländern freigeschaltet werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist im Moment lediglich eine Demo-Version verfügbar.

Beispiel aus Demo Version Facebook Graph Search

Mit Graph Search ist es Nutzern möglich, gezielt Such-Attribute miteinander zu verknüpfen und nach diesen in ihrem Freundeskreis oder in öffentlichen Profilen zu suchen. So sind Abfragen wie “Freunde, die aus Berlin kommen und Single sind” oder “Freunde, die in Zürich wohnen und Grafikdesign studiert haben” möglich, aber auch das Suchen nach beliebten und von Freunden besuchten Restaurants bzw. Orten. Was sich nützlich anhört, kann problematisch werden, wenn dadurch zum Beispiel auch politische Ansichten einer breiteren Gruppe an Menschen Preis gegeben werden.

Graph Search und Datenschutz

Die mediale Resonanz war, wie bei einer neuen Facebook-Funktion nicht anders zu erwarten, hoch. Nach dem ersten Peak der Ankündigungen prägten aber auch Beiträge die Berichterstattung, die Fragen nach dem Datenschutz in den Mittelpunkt stellten. Spiegel Online und die Tages Woche veröffentlichten beispielsweise Artikel mit Hinweisen und Tipps zum besseren Schutz der Privatsphäre.

Der Facebook Graph Search in den Online-Medien und Blogs im deutschsprachigen Raum (blau) im Vergleich zu den Beiträgen die den Datenschutz thematisieren (rot).

Der Facebook Graph Search in den Online-Medien und Blogs im deutschsprachigen Raum (blau) im Vergleich zu den Beiträgen, die auch den Datenschutz thematisieren (rot).

Auch Facebook selbst kommuniziert Hinweise zu den Privatsphäre-Einstellungen. Die Bedenken bleiben allerdings. Vor allem, weil das Problem nicht die technische Möglichkeit zum Schutz der Informationen ist, sondern das Wissen über diese unter den Nutzern des Sozialen Netzwerkes.

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