Archive für Facebook

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Mitte Juni wurde die aktuelle Ausgabe des Reuters Digital News Report 2015 veröffentlicht. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse, mit Fokus auf die Newslandschaft Deutschlands, aus unserer Perspektive als Kommunikationsbeobachter für Sie zusammengefasst. Den Original-Report sowie ausführliche Ergebnisse und Auswertungen der Studie, für die das mit der Thomson Reuters Stiftung assoziierte Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford Anfang 2015 rund 24’000 Menschen aus 12 Ländern befragte, gibt’s hier.

Nachrichtenkonsum via Smartphone nimmt rasant zu

Diese Entwicklung ist in Deutschland etwas weniger stark ausgeprägt als zum Beispiel in den USA oder bei unseren nördlichen Nachbarn in Dänemark. Im Schnitt greifen heute bereits 46% der Befragten (mindestens) wöchentlich über ihr Smartphone auf Online News zu (gegenüber 37% im Vorjahr). Besonders stark ausgeprägt ist das Wachstum des Newskonsums via Smartphone bei unter 35-jährigen. Spannend ist auch, dass die Leute mehrheitlich über ihren Browser auf News zugreifen und nicht, wie vielleicht zu erwarten wäre, über Apps. Das legt die Vermutung nahe, dass nicht immer direkt nach Nachrichten gesucht wird, sondern dass diese oft über Social-Media- oder E-Mail-Links gefunden werden.

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Neben Unternehmen, Firmen und Verbänden profitieren auch Hochschulen und deren Studenten von blueReport. Dies veranschaulicht der spannende Use Case von Juan-Manuel Widmer. Im Rahmen seiner Projektarbeit an der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) hat er sich mit der Online Community Communication von Radios beschäftigt.

Ziel der Arbeit war es, Grundlagen bezüglich der Evaluation von Social Media Aktivitäten bei privaten und nicht-kommerziellen Radiostationen zu entwickeln. Mit dem entsprechenden Methodenset können Evaluationen und Bewertungen über das Community Management einer Organisation vorgenommen werden.

Neben Befragungen der Community und des jeweiligen Community-Managements sowie einer Analyse der Strategie- und Konzeptpapiere wurden die Aktivitäten bei den Online Communities gemessen. Im Sinne eines Praxistests wurden die Methoden zur Analyse von vier unterschiedlichen privaten Radiosendern verwendet. Dabei wurde ersichtlich, dass die Beteiligung der jeweiligen Communities hauptsächlich über die externen Plattformen Twitter und Facebook erfolgt.

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Hans-Peter Scholl ist Leiter Markt Schweiz bei blueReport. Davor war er Verkaufsleiter bei der Publisuisse AG und in der Geschäftsleitung der Radiotele AG. Im Interview erzählt er uns, wie er den Medienwandel als Digital Immigrant wahrnimmt und wie er mit blueReport diesen neuen Herausforderungen begegnen will.

blueReport: Was ist aktuell die grösste Herausforderung in deinem Beruf?

Hans-Peter Scholl: Die grösste Herausforderung besteht darin, dass mein Team und ich den Technologiewandel in der Medienwelt und die daraus resultierenden neuen Möglichkeiten in der Unternehmenskommunikation unseren Kunden – also Kommunikationsprofis und PR-Fachleuten – generationsübergreifend vermitteln müssen. Dabei wird der Beruf des klassischen Presse- und Unternehmenssprechers mit ganz neuen Formen von Content und Content-Distribution angereichert, was sich auch auf die Arbeitswelt in meinem Umfeld auswirkt. Somit mussten auch wir zu Content-Spezialisten werden, die sich in allen heute verfügbaren Medienkanälen auskennen. Das erfordert, sich täglich neu zu orientieren, neuste Technologien und Plattformen anzuschauen und die weltweiten Medien-Trends für unser Unternehmen und unsere Kunden nutzbar zu machen. Dabei lassen wir aber selbstverständlich auch die klassischen Medienkanäle nicht ausser Acht.

Anbieter von Onlinenews beginnen vermehrt, Ihre Inhalte direkt über Facebook oder Youtube zu verbreiten und verzichten gegen eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen auf Traffic auf Ihren eigenen Webportalen. Wie schätzt Du diese Entwicklung und deren Auswirkungen ein?

Wer heute im News-Geschäft oder in der Pressearbeit Erfolg haben will, muss heute eine Vielzahl verschiedener Distributionsplattformen im Onlinebereich bedienen können. Facebook verändert sich zum Beispiel gerade in ein eigenes Medienhaus und setzt dabei auf die Inhalte etablierter Medienhäuser (wir haben dem Thema bereits einen Blogpost gewidmet). Es wäre aber nicht überraschend, wenn Marc Zuckerberg über kurz oder lang eigene Inhalte produzieren und dann tendenziell weniger Fremdinhalte «durchlassen» wird.
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aus Videopräsentation E. Pariser vom März 2011

Der Medienwandel schreitet voran: analoge Medieninhalte verlagern sich auf die entsprechenden Newsportale der Verlage und TV-Stationen im Netz. Das ist nicht neu. Ebenso wenig ist es neu, dass die Produzenten von Onlinecontent Social Media nutzen, um Traffic auf ihren eigenen Websites zu lenken und damit für Werbepartner attraktiv zu sein. Im letzten Herbst hat Holger Schmidt in einem lesenwerten Beitrag dargelegt, wie sich Facebook so als «Gatekeeper für Nachrichten» etabliert.

Beiträge von Onlinemedien im Facebook Newsfeed

Wie Spiegel Online nun Ende März 2015 berichtete, soll Facebook nun mindestens sechs «Medienunternehmen angeboten haben, Inhalte direkt auf seiner Plattform zu veröffentlichen – also nicht, wie bislang, nur in Form einer Verlinkung auf die jeweilige Website.» Im Gegenzug zu einer Beteiligung an Facebooks Werbeeinkünften würden die Medienpartner Inhalte ausschliesslich – oder zumindest vorab – für den Facebook Newsfeed produzieren. Und damit auf Besucher und Werbeumsätze auf ihren eigenen Newsportalen verzichten. Als (Start-)Partner sollen dabei nicht nur Onlineunternehmen wie Buzzfeed im Gespräch sein, sondern auch traditionelle Medienhäuser wie die New York Times, National Geographic oder der Guardian.

Ein weiterer Schritt zum personalized Newspaper – und zur persönlichen Filter Bubble

Die möglichen Vorteile einer solchen Zusammenarbeit liegen für traditionelle Verleger auf der Hand: Facebook kann durch seine riesige Nutzerbasis die Reichweite eines Artikels potenziell vervielfachen und verfügt über eine Fülle an persönlichen Nutzerdaten, mittels welcher sich Newsinhalte passgenau und mit viel weniger Streuverlust an die gewünschte Leserschaft richten lassen. «Is it worth the tradeoff to get extra Facebook dollars today in exchange for a little of your independence tomorrow?» schreibt Joshua Benton von niemanlab.org und stellt die Frage in den Raum, ob sich diese Art der Content-Verbreitung für die Verleger nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig wohl rechne.

Sobald Inhalte spezifisch für Facebook oder YouTube hergestellt werden, steigt sowohl für den News-Produzenten, aber auch für die Leser, die Abhängigkeit von eben diesen sozialen Netzwerken weiter an. Man ist den Algorithmen der Social Media Plattformen insofern ausgeliefert, als diese frei entscheiden können, wer welche Nachrichten in seinem Newsfeed zu sehen bekommt. Das ist problematisch, da Facebook & Co. in erster Linie die Absicht verfolgen werden, ihren Nutzern News anzuzeigen, mit welchen sich möglichst hohe Werbeeinnahmen generieren lassen. Weiter werden soziale Netzwerke aller Voraussicht nach keine neutrale Auswahl an Newsinhalten anzeigen, sondern vor allem solche, von denen sie ausgehen, dass sie ihren Nutzern gefallen. Das führt dazu, dass sich der Effekt einer persönlichen Filter Bubble weiter akzentuiert.

Was heisst das für Ihr Media Monitoring?

Bis dato wurden Online und Social Media von vielen Medienbeobachtern als verwandte, aber grundsätzlich von einander getrennte Medienkanäle betrachtet, die miteinander in einer Wechselwirkung verknüpft waren: Onlineartikel werden via Social Media geteilt, verbreitet und kommentiert. In der Gegenrichtung fanden Diskussionen und Äusserungen von sozialen Netzwerken, Blogs und Foren den Weg in die Onlinemedien. Werden Onlineinhalte zukünftig direkt und ausschliesslich auf Social Media veröffentlicht, werden News aufgrund ihrer Personalisierung heterogener. Damit geht einher, dass Media Monitoring noch stärker als heute eine Hilfestellung bieten muss, Beiträge hinsichtlich ihrer Relevanz richtig einordnen um wichtige von weniger wichtigen Meldungen separieren zu können. Zudem ist davon auszugehen, dass Bild- und Videoinhalte sowie auf Interaktion ausgelegte Beiträge weiter an Wichtigkeit gewinnen werden. Daraus ergibt sich die Herausforderung, Möglichkeiten bereitzustellen, diese Inhalte einfach, zeitnah und effizient verarbeiten zu können.

Weitere Lesehinweise:
Facebook May Host News Sites’ Content (NY Times)
Zukunft der Medien: Daten sammeln, Kontrolle verlieren (Spiegel Online)
Alles auf Blau (Silo Journalism / medium.com)