Frauenfußball medial immer noch im Abseits?

Publiziert von Wiebke Sucker, am 28. Juni 2011, um 16:30

Auf den Straßen Deutschlands sieht man wenig von der Weltmeisterschaft des Frauenfußballs. Kaum Fähnchen an den Autos, Nationalflaggen auf den Balkonen sind die Ausnahme. Im Vergleich zu aktuellen politischen Themen wie der Euro-Krise und der Verschuldung Griechenlands wird von den deutschen Medien relativ wenig über das Event berichtet. (Vergleich Grafik)

Die Medienpräsenz der Griechenlandpleite und Euro-Krise (grün) und der Frauenfußball- Weltmeisterschaft (blau) in den deutschen Online-Medien und Blogs.

In keiner anderen Sportart ist eine deutsche Nationalmannschaft erfolgreicher als im Frauenfußball: 40 Prozent aller WM-Titel gehen an die Deutschen. Mit dieser Bilanz spielten sie die Männer weit ins Abseits. Trotzdem werden mit dem Frauenfußball noch immer Stereotype wie „Mannsweiber“, „Kampflesben“ oder sogar „sexuell frustrierte Frauen“ assoziiert.

Mit einer breit angelegten Offensive für ein besseres Image bemühen sich Spielerinnen und FIFA gleichermaßen, von diesem Negativ-Image wegzukommen. Einige Spielerinnen zeigten viel nackte Haut im Playboy, um, nach eigenen Aussagen, auf ihre Weiblichkeit aufmerksam zu machen oder spielten beim Tatort mit. Diese Aktionen erhielten jedoch im Social Web eher die rote Karte. Exemplarisch dafür ist folgender Tweet:

Der FIFA-Verbund hingegen setzt ganz auf die sportlichen Aspekte. PR- und Marketing-aufbereitete Bilder auf den Fanseiten von Facebook versprechen Dynamik, Schnelligkeit, Ehrgeiz und Siegeswille. Gerne wird auch die Unterstützung der männlichen Nationalmannschaft medial herangezogen. Imagefilme und Songs stürmen Twitter und Youtube. Ein Erfolg der Kampagnen lässt sich durch Werbeverträge, wie zum Beispiel mit Tchibo, verzeichnen.
Trotz des vollen Einsatzes für das “Sommermärchen reloaded” hält sich der Enthusiasmus bei der Zielgruppe in Grenzen. Zwar gibt es im Social Web mittlerweile viele Fan-Seiten, auf denen u.a. Verlosungsaktionen laufen, jedoch nur wenige private Posts, Kommentare etc. zu finden sind. Erst seit dem ersten Anpfiff steigt das Interesse der Bevölkerung. Dies wird auch durch die Einschaltquoten der ersten Spiele belegt.
Dennoch engagieren sich auch im Social Web immer noch mehrheitlich Frauen für die Deutsche Frauen-Elf, die Männer hingegen stehen dem Ganzen eher skeptisch gegenüber.

Trotzdem nähert sich der Ball langsam dem Tor: War noch vor 40 Jahren die Aufregung über Frauenfußball groß, geht heute schon eine verhaltene La-Ola Welle durch Deutschland. Es haben sich bis dato folgende Spielstände zwischen den Mannschaften ergeben: Fans vs. Skeptiker (1:2), sportliches Marketing vs. Klischees (1:0), klassische Onlinemedienpräsenz vs. Präsenz in Social Media (0:2).

Kategorien: Medienbranche