Mitarbeiter-Protest beim ORF über YouTube – Shitstorm aus dem eigenen Haus?

Publiziert von Simone Wagner, am 17. Januar 2012, um 14:15

Ein Gastbeitrag von Michael Ehlers:

Es KNALLT gerade im Staate ÖSTERREICH. Das ist aus meiner Sicht wirklich einmalig. Dieser Mitarbeiter-Protest gegen seine Geschäftsführung wird – ja MUSS Wellen schlagen. Das Video ist taufrisch und wird heftig in den sozialen Netzwerken geteilt.

Es sind nicht einfach nur Mitarbeiter, die Ihren Protest über parteipolitisch motivierte Stellenbesetzung preis geben. Für deutsche Verhältnisse wäre es so, als ob Jan Hofer, Claus Kleber und Marietta Slomka auftreten würden, um über die Personalentscheidungen Ihres Intendaten zu lästern.
Heftige Kritik setzt es an der Führung des öffentlichen Rundfunks: “Weil der Eindruck entsteht, die Unabhängigkeit des ORF sei nicht mehr gegeben, halten wir das Vorgehen der ORF-Geschäftsführung in hohem Maße für unternehmensschädigend. Deshalb fordern wir den Generaldirektor auf, alle Vorhaben zurückzunehmen, die das Ansehen des ORF als unabhängiges Medienunternehmen beschädigen.”

Der Skandal kündigte sich bereits an. Seit längerem bereits sind laute und kritische Stimmen bei den Mitarbeitern des ORF zu hören. Doch die jetzt gewählte Form stellt tatsächlich eine neue Dimension dar.

Die österreichischen Medien (orange) haben das Thema (Mitarbeiterprotest ORF) längst aufgegriffen. Nur beim ORF selbst ist bisher (Stand 16.01. 18:30 Uhr) nichts zu finden. Auch in den deutschen Medien (rot) wird der Protest zunehmend wahrgenommen. In den Schweizer Medien (lila) wird dieser dagegen noch gar nicht thematisiert. Die Grafik zeigt die Medienpräsenz in den jeweiligen Ländern in den Online-Medien und Blogs.

So schreibt z.B. die Krone-Zeitung: “Seit mehr als drei Wochen gehen die ORF-Redakteure öffentlich gegen die Geschäftsführung auf die Barrikaden. Stein des Anstoßes war eine Aussendung einen Tag vor Weihnachten, in der die ORF-Geschäftsführung die Bestellung mehrerer neuer Dienstposten bekannt gab. So soll der bisherige SPÖ-Stiftungsrat Pelinka Büroleiter von Generaldirektor Wrabetz, der Zentralbetriebsrat Robert Ziegler mit der Koordination der Bundesländer betraut und Thomas Prantner als Vizedirektor der technischen Direktion bestellt werden. Die Redakteure orten hinter diesen und anderen Bestellungen politische Absprachen rund um die Wiederwahl von Wrabetz im vergangenen Sommer.”

Die Wiener Zeitung wollte auch die “Betroffenen” zu Wort kommen lassen und vermeldete:

“Weder Ströbitzer noch Fernsehdirektorin Kathrin Zechner äußerten sich dazu auf APA-Anfrage. Ströbitzer auf APA-Anfrage lediglich wissen, er wolle sich derzeit nicht zu dem Thema äußern. Eine Anfrage an Zechner ergab eine ähnliche Antwort: Derzeit könne man noch nichts sagen, ließ sie ausrichten.”

Auf dem Newsportal Oe24.at finden sich auch einige Kommentare von Nutzern, die für die angeblich politisch motivierte Stellenbesetzung stimmen. Die Redakteure wissen: “Das Video ist nur der Protest-Auftakt. Die Redakteure wollen ihren Aufstand fortsetzen.”

Auf jeden Fall ist die Wahl der Waffe “YouTube” und damit die Aktivierung der viralen Möglichkeiten des Social Web in dieser Form einzigartig. Wir sind gespannt auf die offizielle Reaktion des ORF zum Protest Ihrer Mitarbeiter.

Der Artikel ist auch auf dem Blog von Michael Ehlers erschienen.

Anmerkung: Nach nur einem Tag hat das Youtube Video aktuell 282.200 Views (17.1.12 14:52 Uhr) .

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Social Media gewinnt Eidgenössische Wahlen

Publiziert von Torsten Enders, am 18. März 2011, um 09:00

Kooperation: Blogwerk und blueReport bringen Schweizer Politiker online

Blogwerk ist ein Schweizer Onlineverlag für Weblogs und eine Full-Service-Agentur für Social Media Marketing. Mit dem Ziel, die anstehenden Schweizer Nationalratswahlen mit mehr Online-Interaktion zu versehen, hat die Blogwerk das «Blogwerk Wahlkampf-Paket» entwickelt. Mit diesem praktischen Werkzeug auf WordPress-Basis können die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Blogs, ihren Twitter-Account, ihre Facebook-Fanpage und andere Social-Media-Kanäle von einem zentralen Ort aus bedienen.

Dank der Integration von blueReport Echtzeit-Ergebnissen wird das Wahlkampf-Paket zur Social Media Campaigning Zentrale. Die Kandidaten können so die neuesten medialen Erwähnungen ihrer eigenen sowie weiterer Parteien direkt in der Anwendung verfolgen und miteinander vergleichen. Das moderne Wahlkampfwerkzeug erlaubt es per Mausklick ausgewählte Treffer aus dem blueReport Newsfeed direkt auf die Kandidaten-Website einzubinden. Die ersten Anwendungsbeispiele folgen in Kürze.

Kategorien: Schweiz, blueReport

Schweizer Parteien im Social Web

Publiziert von Simone Wagner, am 8. Februar 2011, um 12:10

Schweizer Parteien im Social Web: Bei Facebook dominieren SP und SVP

Schweizer Parteien im Social Web: Bei Facebook dominieren SP und SVP

Vorsichtige Schritte zur digitalen Vernetzung
Fast 2.5 Mio Schweizer sind auf Facebook, wie die neusten Auswertungen zeigen. Unternehmen und Verbände nutzen die Möglichkeiten des Social Webs selbstverständlich für die eigene PR und Kundenkommunikation. Auch viele Schweizer Politiker präsentieren sich bei Facebook & Co. halbprivat, um für ihre politischen Ziele zu werben. Ad hoc wird jetzt zu Beginn des Wahljahres 2011 auch noch das eine oder andere Profil angelegt. Doch wie steht es um den Gesamtauftritt der Parteien? 23. Oktober sind Nationalratswahlen, in Bern wird noch im Februar der Ständeratssitz von Simonetta Sommaruga neu besetzt. Die Kommunikationsstrategien der Parteien liegen schon lange fest. Dabei spielt auch die Nutzung digitaler Netzwerke wie Facebook, Twitter und Youtube eine wichtige Rolle. Zumindest theoretisch, die Umsetzung wirkt bei vielen Parteien noch zaghaft und umständlich.

Sozialdemokraten haben stärksten Auftritt
Der naheliegende Verdacht, dass die Affinität zu den Social Media im linken und liberalen politischen Segment höher ist als bei konservativen Parteien stimmt nur bedingt. Die Medienbeobachtung blueReport hat den stärksten Auftritt 2.0 bei den Sozialdemokraten (SP) ermittelt. Rein quantitativ kommt die Partei nicht nur auf die insgesamt höchste Anzahl an Followern und Fans, das Profil der Partei wie auch die einzelner SP-Politiker sind zudem sehr authentisch. So fällt zum Beispiel der Juso-Jungstar Cédric Wermuth mit 3’841 Facebook-Freunden auf, der seine Parteikollegin und Ständeratskandidatin Ursula Wyss mit lediglich 768 «Likers» geradezu alt dastehen lässt. Vielleicht liegt es daran, dass sich Facebook im Stöckli noch nicht wirklich Einzug gehalten hat.
Auch die konservativen Parteien präsentieren sich in den entsprechenden Netzwerken, nutzen diese aber kaum um mit Anhängern im Dialog zu kommunizieren. Im Twitter-Account der CVP finden sich beispielsweise lediglich Hinwiese auf Medienmitteilungen der Partei.

In der Kommunikationsstrategie der Grünen auf Bundesebene scheint der Faktor Web 2.0 noch neu zu sein. Auch wenn viele grüne Politiker wie beispielsweise Pierino Cerlianials oder Fabien Fivaz als Einzelpersonen aktiv twittern, hat der Account der Partei nur wenige Abonnenten. Voraussichtlich im März wird es eine neue Facebook-Page der Grünen geben, welche die aktuelle Gruppe mit ca. 600 Mitgliedern ersetzen soll.

Parteien URL Fans/Members Posts Jan. 2011 offiziell?
SVP Facebook-Gruppe 1989 9 Ja
SP Facebook-Seite 2727 53 Ja
FDP Facebook-Seite 1590 12 Ja
CVP Facebook-Seite 420 25 Ja
Grüne Facebook-Gruppe 590 11 Ja
BDP Facebook-Gruppe 418 8 Ja
grünliberale Facebook-Seite 258 5 Ja
EVP Facebook-Gruppe 292 2 Ja

Parteien starten Testballone
Viele Aktivitäten der Schweizer Parteien tragen zum aktuellen Zeitpunkt noch einen Testcharakter. Erst in diesem Jahr lancierten die Grünen ihren Youtube-Channel. Ein Beispiel für eine Webstrategie nach dem Prinzip von trial and error dagegen ist der Twitter-Account von Toni Brunner. Mit nur wenigen unmotivierten Tweets hauptsächlich aus 2009 brachte er es auf immerhin über 400 Follower.

Parteien Name Follower Following Tweets offizell?
SVP @svpbrunner 400 1 14 Ja
SP @spschweiz 783 56 367 Ja
FDP @FDP_Liberalen 544 233 159 Ja
CVP @cvp_pdc_ppd_pcd 65 20 173 Ja
Grüne @GrueneCH 50 124 41 Ja
BDP -
grünliberale @grunliberale 526 24 118 Ja
EVP @evppev 111 219 15 Ja

Im Web 2.0 gibt es keine Monologe
Kommunikation im Social Web bedeutet für alle, die diese Art von neuen Medien professionell nutzen, einen gewissen Grad an Machtverlust über die transportierten Informationen. Inhalte werden nicht mehr nur kommuniziert, sondern öffentlich auch diskutiert. Im Zweifel werden Postionen innerhalb weniger Minuten und Sekunden in Frage gestellt. Die Hierarchie zwischen jenen, die Inhalte verbreiten und jenen, die diese empfangen, ist im Social Web nicht mehr existent. Kritik und Widerspruch mögen Parteien vielleicht auch von ihren eigenen Sympathisanten gewöhnt sein. Der öffentliche Charakter ist neu.

Profile, die sich dem Dialog entziehen wirken zudem wenig authentisch. Der Gang zur PR-Agentur allein reicht daher nicht aus. Die SP Schweiz hat nicht nur die grösste Facebook-Gruppe unter den Parteien, sondern ist gleichermassen deren Best-Practise Beispiel. Auf Kommentare wird reagiert, Informationen werden weiter gegeben und der Raum für Debatten damit geschaffen.

Viele Parteien präsentieren sich und ihre Botschaften gerne im eigenen Youtube-Channel. Die Möglichkeiten zur tatsächlichen Diskussion sind in diesem Format allerdings begrenzt.

Parteien URL Subscribers Views offiziell?
SVP http://www.youtube.com/svpch 225 332292 Ja
SP http://www.youtube.com/user/SPSchweiz 107 112347 Ja
FDP http://www.youtube.com/user/FDPSchweiz?blend=2&ob=5 19 12455 Ja
CVP
Grüne http://www.youtube.com/user/GrueneCH 1 687 Ja
BDP _
grünliberale http://www.youtube.com/user/gruenliberal?blend=5&ob=5 4 3535 ?
EVP

Potential ist immens
Soziale Netzwerke sind für alle Parteien trotz erster, auch erfolgreicher, Schritte in erster Linie ungenutztes Potential. Rund 10% aller SP-Parteimitglieder sind auch digital bei Facebook, Twitter und Youtube mit ihrer Partei vernetzt. Bei der FDP sind es nur knapp 2% und bei der konservativen SVP 3%. Das Potential zum digitalen politischen Diskurs ist nicht nur gross, sondern scheint auch gewünscht. Dies zeigt die grosse Anzahl der Diskussionsgruppen besonders im Zusammenhang mit politisch brisanten Initiativen und Abstimmungen.

Alle Daten wurden Anfang Februar 2011 erhoben. Der Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.

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Schnellste Politikerin setzt auf schnellste Medienbeobachtung

Publiziert von Simone Wagner, am 31. Januar 2011, um 10:00

Nationalrätin Christa Markwalder (FDP)

Christa Markwalder (FDP) ist nicht nur Nationalrätin und die schnellste Ski-Dame unter den Parlamentariern, sondern möchte ab dem 13. Februar 2011 auch Simonetta Sommaruga als Berner Ständerätin ersetzen. Gerade jetzt, in der heissen Phase des Wahlkampfes, setzten sie und ihr Team für die Medienbeobachtung auf blueReport.

„Mit blueReport erhalte ich übersichtlich alle relevanten und interessanten Beiträge aus den Online-Medien und dem Social Web – aus einer Hand und in Echtzeit. So bleibe ich über wichtige Themen auf dem Laufenden und kann schnell reagieren.“ freut sich die Nationalrätin.

Das blueReport-Team wünscht Christa Markwalder alles Gute für ihren Endspurt bei der Ständeratswahl.

Kategorien: Medienbranche, Schweiz