Archive für Social Web

Seit ein paar Tagen steht US-amerikanischen Nutzern (und Nutzern der US-amerikanischen Sprachversion) die neueste Facebook-Funktion Graph Search zur Verfügung. In Kürze soll diese erweiterte Suche auch Nutzern aus anderen Ländern freigeschaltet werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist im Moment lediglich eine Demo-Version verfügbar.

Beispiel aus Demo Version Facebook Graph Search

Mit Graph Search ist es Nutzern möglich, gezielt Such-Attribute miteinander zu verknüpfen und nach diesen in ihrem Freundeskreis oder in öffentlichen Profilen zu suchen. So sind Abfragen wie “Freunde, die aus Berlin kommen und Single sind” oder “Freunde, die in Zürich wohnen und Grafikdesign studiert haben” möglich, aber auch das Suchen nach beliebten und von Freunden besuchten Restaurants bzw. Orten. Was sich nützlich anhört, kann problematisch werden, wenn dadurch zum Beispiel auch politische Ansichten einer breiteren Gruppe an Menschen Preis gegeben werden.

Graph Search und Datenschutz

Die mediale Resonanz war, wie bei einer neuen Facebook-Funktion nicht anders zu erwarten, hoch. Nach dem ersten Peak der Ankündigungen prägten aber auch Beiträge die Berichterstattung, die Fragen nach dem Datenschutz in den Mittelpunkt stellten. Spiegel Online und die Tages Woche veröffentlichten beispielsweise Artikel mit Hinweisen und Tipps zum besseren Schutz der Privatsphäre.

Der Facebook Graph Search in den Online-Medien und Blogs im deutschsprachigen Raum (blau) im Vergleich zu den Beiträgen die den Datenschutz thematisieren (rot).

Der Facebook Graph Search in den Online-Medien und Blogs im deutschsprachigen Raum (blau) im Vergleich zu den Beiträgen, die auch den Datenschutz thematisieren (rot).

Auch Facebook selbst kommuniziert Hinweise zu den Privatsphäre-Einstellungen. Die Bedenken bleiben allerdings. Vor allem, weil das Problem nicht die technische Möglichkeit zum Schutz der Informationen ist, sondern das Wissen über diese unter den Nutzern des Sozialen Netzwerkes.

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600px-Wikipedia-logo_kaWikipedia steht immer noch eher selten in der Anforderungsliste für ein umfassendes Media Monitoring. Viele Unternehmen und Organisationen scheinen den Stellenwert der über Wikipedia verbreiteten Informationen zu unterschätzen. Dabei kann ein gezieltes Monitoring helfen, bei der Verbreitung von Falschinformationen und anderen reputationsschädigenden Nennungen eventuell eingreifen oder zumindest aktiv kommunizieren zu können.

Ein weltweites Projekt ohne Vergleich 

Wikipedia ist das grösste kollaborative Wissensprojekt der Welt. Mit 280 existierenden, voneinander komplett unabhängigen Sprachversionen und über 1.600.000 Artikeln seit 2001 in deutscher Sprache, ist für viele nach der Eingabe bei Google der entsprechende Wikipedia-Treffer die nächste Anlaufstelle.

Noch gut in Erinnerung ist die Verwirrung um den richtigen, allerdings recht umfangreichen, Namen des ehemaligen deutschen Wirtschafts- und späteren Verteidigungsministers. Kurz vor der offiziellen Ernennung zum Minister wurde sein Name bei Wikipedia um ein „Wilhelm“ ergänzt. Weite und namhafte Teile der deutschen Medienlandschaft übernahmen diesen Namenszusatz ohne zusätzliche Recherche in der eigenen Berichterstattung.

Dieses vergleichsweise humorvolle Beispiel zeigt, wie sich Informationen aus Wikipedia weiterverbreiten können – ob wahr oder nicht. Aktuelle oder sehr breite Themen führen die Liste der Top-Suchanfragen an, aber auch die Erstinformationen zu Unternehmen stammen oft von Wikipedia. Der Artikel zur Bayer AG wurde allein im vergangenen Juni fast 14.000 Mal aufgerufen, der zur Lufthansa fast 44.000 Mal.

Glaubwürdigkeit und eine niedrigschwellige Verfügbarkeit führen dazu, dass das Bild eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Themas nachhaltig durch die Darstellung bei Wikipedia geprägt sein kann.

Relevanzkriterien – Nicht jeder kommt rein

Der Kosmos Wikipedia an sich ist ein sich selbst regulierendes System aus Autoren und Administratoren, die Inhalte auf ihre Richtigkeit und Belegbarkeit überprüfen. Grundsätzlich müssen alle Angaben durch eine Quelle belegt sein. (Nur in Einzelfällen wird dieses System ad absurdum geführt, wenn, wie im Falle des falschen Vornamen des ehemaligen Wirtschaftsministers, die Quelle, die zuvor den ungeprüften Inhalt bei Wikipedia abgeschrieben hat, selbst zur Quelle wird.) Korrekturen erfolgen nicht zwingend in Echtzeit, nicht zuletzt, weil alle Beteiligten sich freiwillig und ehrenamtlich engagieren.

Die Relevanzkriterien für einen Eintrag sind allerdings relativ umfangreich und zeigen, unter welchen Bedingungen ein Gegenstand definitiv einen Artikel erhalten kann. Gerade im Wirtschaftsbereich sind aus den eigentlich als Einschlusskriterien gedachten Relevanzkriterien de facto Ausschlusskriterien geworden, um die Möglichkeiten, Werbung einzubringen, gering zu halten.

Für Unternehmen gelten beispielsweise folgende Kriterien:

Als relevant für einen enzyklopädischen Eintrag gelten Unternehmen, die:

  • mindestens 1000 Vollzeitmitarbeiter haben oder
  • einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro (umrechnen) vorweisen oder
  • mindestens 20 Betriebsstätten im Sinne von Art. 5 OECD-MA DBA besitzen (damit sind eigene Zweigniederlassungen, Produktionsstandorte, Filialen, Ladengeschäfte eingeschlossen, nicht jedoch unabhängige Handelsvertreter oder Vertriebspartner), und dabei mindestens zwei der drei in § 267 Absatz 2 HGB bezeichneten Merkmale überschreiten, oder
  • an einer deutschen Börse im regulierten Markt oder in einem gleichwertigen Börsensegment in anderen Staaten gehandelt werden oder
  • bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle haben (unabhängige Quelle erforderlich) oder
  • eines dieser Kriterien historisch erfüllten.

 

Davon abgesehen können Namen und Begriffe in Artikeln auftauchen, ohne einen eigenen Eintrag zu haben. Auch für kleinere und mittelständische Unternehmen empfiehlt sich daher eine Beobachtung unabhängig von der eigenen Präsenz.

Wikipedia Monitoring mit blueReport

Wikipedia Versionen

Mit blueReport ist es Kunden möglich, gezielt nach der Nennung von Begriffen in Beiträgen zu suchen und bestimmte Artikel mit allen Veränderungen zu beobachten. Die Treffer sind direkt mit der Versionsgeschichte bei Wikipedia verlinkt, so dass alle Änderungen auf den ersten Blick ersichtlich sind. Ohne grossen Aufwand lassen sich so die eigene Reputation und alle unternehmensrelevanten Themen verfolgen.

Bild von Joe Trippi

Campaigning Pionier Joe Trippi

Er gilt als Pionier des politischen Social Media Campaigning. Am 7. Juni wird Joe Trippi auf dem Campaigning Summit Zürich sprechen.

Joe Trippi war 2004 Wahlkampfmanager für Howard Dean, der damals gegen George W. Bush antreten wollte. Seine Kampagne ist als erster internetbasierter Wahlkampf in die Geschichte eingegangen. Über Online-Plattformen wurden Kleinspenden gesammelt und freiwillige Wahlkampfhelfer organisiert. Damit schafften Trippi und sein Team die Grundlage für die Social Media Wahlkämpfe der danach folgenden Jahre.

Bis heute ist Joe Trippi einer der bekanntesten Politikberater. Er arbeitete unter anderem für John Edwards, der 2004 und 2008 an den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl teilnahm. Für verschiedene Kampagnen war er auch international tätig. So unterstützte er beispielsweise 2008 in Simbabwe Morgan Tsvangirai (Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC)) in seinem Wahlkampf gegen Robert Mugabe und 2011 Goodluck Jonathan, den heutigen Präsidenten von Nigeria.

Bereits 2004 veröffentlichte er sein viel beachtetes Buch. “The Revolution Will Not Be Televised“.

Campaigning Summit

Trippi ist einer von fünf Referenten des Campaigning Summits Zürich am 7. Juni 2013. Tickets für die Veranstaltung, die unter dem Motto «Menschen, die bewegen – Kampagnen, die bewegen.» stattfindet, sind noch erhältlich. Mit dem Code “blue13MA” gibt es zudem 10% Rabatt auf alle Ticketkategorien.

Verlosung von “The Revolution Will Not Be Televised”

Alle Teilnehmer des Campaigning Summit können zusätzlich ein Exemplar von Joe Trippis Buch gewinnen. Einfach bis zum 31. Mai. 2013 eine Nachricht mit dem Stichwort “Campaigning Summit” an service@blueReport.net schicken. Unter allen Einsendungen werden drei Bücher verlost. Die Gewinner bekommen die Exemplare direkt vor Ort auf dem Summit. Der Autor wird diese dann noch signieren.

Joe Trippi im Interview

Wir haben den Politikberater zudem zur Rolle der Sozialen Netzwerke im Wahlkampf, dem Einfluss der Social Media und dem Zusammenhang zwischen Campaigning und Public Relations befragt.

blueReport:  More and more politicians in Germany and Switzerland are using social media to communicate with voters and future voters. Most of them focus on Facebook and Twitter. Is this enough? What are the key social media channels in 2013?

Joe Trippi: It’s not a matter of being on enough channels- it’s a matter of being on the right channels, for your audience and the people you are trying to reach. The way campaigns are headed is the way that marketing for products is heading: towards personalization. How much do you know about your audience? Do you know their likes and interests and, for that matter, their dislikes? And can you reach them where they are, on platforms they’re using, in a way that they want to be reached, with relevant and actionable information. This was the big story to come out of the US election in 2012: the rise of big data in political campaigns. There are inherent risks here too with the potential for abuse or actually moving backwards towards top/down communication instead of from the bottom up, but, through personalization and custom targeting, there are also real rewards.

Let me give you an example. The Obama campaign in 2012 used data acquired through it’s Facebook app- which launched when the President announced his re-election bid and asked supporters to post “I’m in” through the app on their walls. The campaign amassed this data and then, right before the election, they mined that data and asked their supporters to directly contact their friends in key swing states via Facebook. In all, more than 600,000 supporters shared posts with an estimated 5 million individual targets through this system. It’s just one example of being a lot smarter on social media, and using technology to empower your supporters.

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rp13

Sind Blogs qualitativ vergleichbare Alternativen zu klassischen Online-Medien? Kann man vom Bloggen leben? Auf der re:publica (rp13) wurde dies in verschiedenen Sessions mit Blog-Schwerpunkt diskutiert. Die Gespräche sowie Präsentationen der Referenten zeigen, dass sich die Szene zunehmend professionalisiert und es immer mehr Blogger gibt, die mit Ihren Posts auch Geld verdienen können.

Leidenschaft bis zur Professionalisierung

Die Blogger-Runde zur rp13-Session „Sportblogs und Sportjournalismus – Von investigativen Journalismus aus der Nische“ zeigt, dass die Begeisterung für einen Sport über den Rand der Professionalität hinaus gehen und zu einem zweiten Fulltime-Job werden kann. Dahinter steckt in der Regel viel Wille, Leidenschaft und Energie, denn über Sportereignisse zu berichten kostet Zeit und vor allem auch Geld. Sebastian Fiebrig (bloggt über Fussball) berichtet, wie schwierig es für Blogger ist, sich als Pressevertreter akkreditieren zu lassen, geschweige denn O-Töne aus den Interviews später dann auch für den Blog verwenden zu dürfen.

Teuer wird es dann vor allem bei kostenintensiven Sportarten wie zum Beispiel dem Motorsport. Die Teilnahme an allen Rennen ist gar nicht finanzierbar, sagt Don Dahlmann. Eine Formel 1 Saison würde den Blogger mit Anreise und Unterkunft ca. 35 000 EUR kosten. Exklusive Informationen bekommt man dann aus einem guten persönlichen Netzwerk. Der Aufbau eines solchen dauert Jahre.

Blogs als Alternative zu klassischen Medien

Online-Medien können sich selten eine exklusive Nischen-Zielgruppe leisten. Freunde des Lacrosse, des Fallschirmspringens oder des Ultimate Frisbees finden die für sie spannenden Informationen vielleicht eher in der Blogossphäre.

Ob Finanzblogs die häufig komplizierte und nicht für jeden verständliche Sprache des deutschen Wirtschaftjournalismus ausgleichen können oder sogar sollten wurde in der Session „Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?“ diskutiert.

Finanzblogs haben wie viele andere Themenblogs eher ein Fachpublikum als Zielgruppe. Richtige Aufklärungsarbeit kann in diesem kaum geleistet werden bzw. würde die Leser nicht zuletzt auch langweilen. Thomas Knüwer sieht für die Zukunft Potential bei den Banken selbst. Auch diese werden, angesichts der Debatte über Content Marketing, Corporate Blogs oder Sponsored Blogs, bzw. die damit verbundene Möglichkeit über Finanzprodukte aufzuklären, entdecken. Die Frage nach der Unabhängigkeit wird in diesen Fällen schwierig. Aber auch die Qualität unabhängiger Blogs ist nicht immer einfach einzuordnen oder zu erkennen.

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