So sieht das aus, wenn sich die Schweizer Verlagsbranche und grosse Werbevermarkter zur “Bedeutung eines redaktionellen Umfelds für die Zukunft der Werbung” äussern. Die Statements fallen leider sehr vorhersehbar aus – die Veränderungen, die tatsächlich durch Facebook und Twitter stattfinden, werden nicht oder nur zögerlich thematisiert. Erfreulicher Weise hat die Redaktion von Marketing & Kommunikation auch bei blueReport angefragt – und Denis Nordmann, unser Schweizer Geschäftsführer, hat gern geantwortet.
Gilbert A. Bühler, Direktor der Freiburger Nachrichten AG, meint über die “regionale Qualitätszeitung”, dass diese “Dank ihrer redaktionellen Leistung […] zu Recht als äusserst glaubwürdiges Medium” gelte. Sie sei darüber hinaus “ein Stück Heimat und Identität”, und geniesse “hohes Vertrauen”. Das mag ja alles sein – aber fehlt da nicht etwas? Denis bringt es auf den Punkt: “Die klassische Newsredaktion wird von meinen Freunden auf Facebook oder Twitter substituiert. Nicht eine gesichtslose Redaktion, sondern meine persönlichen Freunde filtern und gewichten für mich Information.” Natürlich wird heute noch viel und sicherlich auch erfolgreich in Zeitungen geworben – doch die Kosten und auch die Streuverluste sind gleichermassen enorm. Wer erfolgreich werben und nah an der Zielgruppe sein will, der wird im Social Web fündig. Hier zeige ich über Likes meine Interessen und Vorlieben und bekomme im Gegenzug passgenaue Empfehlungen, die auf meinen und den Vorlieben meiner Freunde basieren. Dem kann man durchaus kritisch gegenüber stehen, zumal sich die grossen Plattformen bei der Gewichtung und Filterung der dargebotenen Informationen nicht in die Karten schauen lassen. Im Glaubwürdigkeitswettbewerb Freundeskreis versus “Markenversprechen Regionalzeitung” dürfte aber dennoch klar sein, wohin das Pendel schwingt.
