Die Redaktion der Facebook-Freunde

Publiziert von Torsten Enders, am 26. Mai 2011, um 10:00

So sieht das aus, wenn sich die Schweizer Verlagsbranche und grosse Werbevermarkter zur “Bedeutung eines redaktionellen Umfelds für die Zukunft der Werbung” äussern. Die Statements fallen leider sehr vorhersehbar aus – die Veränderungen, die tatsächlich durch Facebook und Twitter stattfinden, werden nicht oder nur zögerlich thematisiert. Erfreulicher Weise hat die Redaktion von Marketing & Kommunikation auch bei blueReport angefragt – und Denis Nordmann, unser Schweizer Geschäftsführer, hat gern geantwortet.

Titelseite des M&K-Artikels (Klick auf das Bild öffnet Original in neuem Fenster)

Gilbert A. Bühler, Direktor der Freiburger Nachrichten AG, meint über die “regionale Qualitätszeitung”, dass diese “Dank ihrer redaktionellen Leistung […] zu Recht als äusserst glaubwürdiges Medium” gelte. Sie sei darüber hinaus “ein Stück Heimat und Identität”, und geniesse “hohes Vertrauen”. Das mag ja alles sein – aber fehlt da nicht etwas? Denis bringt es auf den Punkt: “Die klassische Newsredaktion wird von meinen Freunden auf Facebook oder Twitter substituiert. Nicht eine gesichtslose Redaktion, sondern meine persönlichen Freunde filtern und gewichten für mich Information.” Natürlich wird heute noch viel und sicherlich auch erfolgreich in Zeitungen geworben – doch die Kosten und auch die Streuverluste sind gleichermassen enorm. Wer erfolgreich werben und nah an der Zielgruppe sein will, der wird im Social Web fündig. Hier zeige ich über Likes meine Interessen und Vorlieben und bekomme im Gegenzug passgenaue Empfehlungen, die auf meinen und den Vorlieben meiner Freunde basieren. Dem kann man durchaus kritisch gegenüber stehen, zumal sich die grossen Plattformen bei der Gewichtung und Filterung der dargebotenen Informationen nicht in die Karten schauen lassen. Im Glaubwürdigkeitswettbewerb Freundeskreis versus “Markenversprechen Regionalzeitung” dürfte aber dennoch klar sein, wohin das Pendel schwingt.

Traum geplatzt: iPad rettet die Verlage nicht

Publiziert von Denis Nordmann, am 8. November 2010, um 14:00

Sind das iPad und die damit verbunden neuen Geschäftsmodelle nun eine Bedrohung oder ein Segen für die Verleger? Oder gar die Rettung der Medienhäuser, wie das etwa Axel Springer CEO Mathias Döpfner in seinem Talk bei Charlie Rose im April 2010 behauptete? Nein, habe ich in meiner Präsentation anlässlich der iPad-Konferenz des Internet Briefings an 1. Juni 2010 in Zürich gesagt und sehe das auch heute — also gut fünf Monate danach — immer noch so.
Jüngste Berichte aus Deutschland «Den Großteil seiner Online-Einnahmen erzielt Springer jedoch nicht mit Content.» (Meedia) oder auch aus den USA «iPad expectations for content companies coming down to earth» (Kevin Anderson) bestätigen meine These. Auch die iPad-Verkaufszahlen blieben unter den Erwartungen vieler Analysten, in der Schweiz wurden angeblich noch keine 100’000 Stück verkauft. Und vor wenigen Tagen meinte dann Mark Zuckerberg lapidar: «Das iPad ist nicht mobil. Zur nächsten Frage bitte.» und will deshalb keine iPad-App für Facebook rausbringen.

Es scheint also, dass ich mit meinen Einschätzungen nicht völlig daneben lag und deshalb wage ich diese hier zu veröffentlichen. Reto Hartinger hat mir nämlich vor wenigen Tagen freundlicherweise den Videostream zu meiner Präsentation zugänglich gemacht. Ich danke Reto an diese Stelle dafür, wünsche kurzweiliges sowie anregendes Stream-Schauen und bin gespannt auf Kommentare.


Präsentation von Denis Nordmann, cognita AG, an der iPad-Konferenz des Internet Briefings an 1. Juni 2010 in Zürich. Dauer: 37 min, Schweizerdeutsch ohne Untertitel und mit G3 ist natürlich 3G gemeint ;)